Lesen Sie auch? Die hier vorgestellten Bücher empfehle ich herzlichst zur Lektüre — weil sie Seite für Seite jeden gedruckten Buchstaben wert sind. Fehlt Ihr Lieblingstitel? Dann schreiben Sie mir und ich lese ihn.
Wer dieses Buch gelesen hat, wird nie wieder gleichgültig einem Uber Eats- oder sonstigen Essenlieferanten hinterhersehen können. Tomer Gardi erzählt von diesen Menschen und führt seine Leserschaft schonungslos durch diese unterste Gesellschaftsschicht, wo der Lohn nicht zum Leben reicht und dieses sowieso todgefährlich ist. Essenlieferanten in Delhi, in Tel Aviv, Berlin, Buenos Aires und Istanbul. Kurzgeschichten gleich werden die einzelnen Metropolen als Kapitel mit unterschiedlichen Menschen bespielt, deren Sehnsüchte, Ängste und Lebensrealitäten sich so sehr gleichen. Austauschbar sind das Elend, die Ausbeutung und die Migration. Doch Gardi versinkt nie in Sozialkitsch und ist seinen Figuren wirklich nah: So erleben wir zum Beispiel den wundersam heilenden Telefonsex eines Ehepaars, das sich seit zehn Jahren nicht mehr berühren konnte …
Er will den Rest seines Lebens mit Morris verbringen, seinem Geliebten seit Jugendtagen. Während der schwule Barrington Walker seinen Plan schärft, im Alter seine «Barrysexualität» offen auszuleben, bringt sich das Personal um ihn herum in Stellung: die tief religiöse und von ihrer Ehe bitter enttäuschte Carmel, seine erwachsenen Töchter sowie der Geliebte Morris, der nicht mehr darauf hoffen mag, dass Barry zu ihrer Verbindung steht. Die beiden Männer waren jung und jeweils frisch verheiratet aus der Karibik nach London emigriert und hatten hier ihr ganzes Leben verbracht. Derweil Barry noch mit sich ringt, bricht sein Outing unkontrolliert aus … Bernardine Evaristo jongliert witzig und rasant mit den beiden Erzählstimmen von Ehemann und Ehefrau und fertigt so ein Panoptikum durch Class und Race der Caribbean Community in England.